
Über mich
Ein Interview im Jahr 2026
Frage: Maren, was inspiriert dich zu deinen Geschichten?
Antwort: Alles, was sich weigert, leise zu sein. Ein Geruch, ein Gesprächsfetzen, ein Blick, der mehr erzählt als er sollte. Ich schreibe nicht über Sensationen, sondern über das, was im Vorbeigehen passiert — und trotzdem nachhallt. Geschichten liegen auf der Straße, man muss sie nur aufheben.
Frage: Erinnerst du dich zum Beispiel daran, wie die Idee zu „Minze aus Damaskus“ entstanden ist?
Antwort: Ja. Jemand sagte: „Damaskus riecht nach Minze.“ Dieser Satz war wie ein kleiner Riss in der Wand, durch den Licht fällt. Abends las ich einen Bericht über unsere Tanzschule in der Nachbarschaft und wie sehr Tanzen Menschen verbindet, die sich sonst nie begegnet wären. Damit war die Hauptidee gefunden. Ich musste nur schauen, was dahinter liegt. So wurde es eine Geschichte über Erinnerung, Begegnungen, Verlust und die Art, wie Gerüche manchmal mehr wissen als wir.
Frage: Minze aus Damaskus ist kein Roman, aber auch keine Kurzgeschichte. Wie kam es dazu?
Antwort: Es sollte eine Kurzgeschichte für den neuen Band werden. Aber dann wurde es mehr und mehr. Jetzt ist es eine lange Kurzgeschichte oder ein kurzer Roman. Wie man es nimmt.
Frage: Du liebst Kurzgeschichten. Warum?
Antwort: Weil sie wie ein Atemzug sind. Kurz, konzentriert, präzise. Eine gute Kurzgeschichte ist wie ein Foto, das man länger anschaut, weil man spürt, dass da noch etwas im Schatten liegt. Sie verzeiht keine Eitelkeit — jede Zeile muss sitzen. Das mag ich.
Frage: Und trotzdem schreibst du auch dicke Romane. Wie passt das zusammen?
Antwort: Ich habe zwei Geschwindigkeiten. Kurzgeschichten sind Sprint. Romane sind Langstrecke. Beides macht Spaß — und beides fordert mich anders heraus. Im Roman darf ich mich verlieren, Figuren beim Wachsen zusehen, Räume ausleuchten. In Kurzgeschichten muss ich mich entscheiden, was wirklich zählt. Ich brauche beides, um nicht schief zu stehen.
Frage: Wie sieht dein Schreiballtag aus?
Antwort: Ich bin eine Nachteule. Wenn alle schlafen und das Haus ruhig ist – das ist für mich die beste Zeit des Tages. Vormittags ist Büroarbeit angesagt, dann Projektarbeit, Emails, der Shop, Kurse, Social media. Und gegen Mittag schalte ich dann um und arbeite konzentriert an einer Geschichte - mit einem Tagesziel. Wenn ich das erreicht habe, ist alles andere was darüber hinausgeht, nur noch Kür. Aber ein bisschen Disziplin muss sein.
Frage: Hast du feste Rituale?
Antwort: Ja, aber sie sind klein. Ich brauche viel Kaffee. Immer ein Notizblock in der Nähe. Meine Tageselfchen sind eine Art Warmup — das ist mein literarisches Stretching. Es sind kleine Elfzeiler, mit denen ich eine Stimmung, eine Situation, ein Erlebnis einfange. Kurz, verspielt, manchmal albern, manchmal überraschend ernst. Es erinnert mich daran, dass Schreiben nicht schwer sein muss.
Frage: Schreibst du eigentlich überall — oder hast du feste Orte?
Antwort: Ich habe seit kurzem ein eigenes Schreibzimmer. Ein Raum voller Bücher, Notizheften, Zettelstapeln und Dinge, die nur für mich Sinn ergeben. Auf dem Schreibtisch liegt immer ein Stift, der schreibt, und einer, der so tut. An der Wand hängen Sätze, die ich nicht vergessen will.
Neben dem Bett liegt ein Notizbuch, weil sich Ideen selten an Uhrzeiten halten. Ich hatte mal ein Diktiergerät dort liegen, um nächtliche Einfälle festzuhalten. Das Ergebnis: stundenlange Aufnahmen meines eigenen Schnarchens. Seitdem vertraue ich auf Papier. Das ist leiser. Und es verrät mich nicht.
Frage: Hast du als Autorin eigentlich Macken?
Antwort: Natürlich. Ich finde Plotlöcher in Filmen und kommentiere das durchaus, was meine Familie nicht immer gut findet. Ich starre hin- und wieder mitten im Gespräch in die Luft, weil ein Satz vorbeikommt, den ich nicht verpassen darf. Meine Familie erkennt diesen Blick inzwischen. Er bedeutet: „Ich bin gleich wieder da, ich muss kurz in eine andere Welt.“ Ich lese in fremden Wohnungen Buchrücken. Ungeniert. Bücherregale sind für mich wie Steckbriefe — sie verraten mehr über Menschen als diese ahnen. In Zeiten von E-Books ist das eine echte Herausforderung. Eine Wohnung ohne Bücher fühlt sich für mich an wie ein Gesicht ohne Augen. Ich liebe Wohnungen, in denen man noch lesen kann, wer dort wohnt.
Frage: Wie sieht dein Bücherregal zu Hause aus?
Antwort: Bunt. Da findet man von Bettina von Arnim bis Walter Moers bis Juli Zeh alles. Buchläden sind mein Kryptonit - ich kann keinen Buchladen betreten, ohne wenigstens ein oder zwei Bücher zu adoptieren.
Frage: Wie steht deine Familie zu deinem Schreiben?
Antwort: Mit Gelassenheit. Mein Mann erkennt den Blick, der bedeutet: „Sprich kurz nicht mit mir, ich muss das aufschreiben.“ Er kennt mich nicht anders - Schreiben ist ein Teil meines Lebens - und wird es immer sein.
Frage: Du arbeitest auch als Poesiepädagogin. Wie kam es dazu?
Antwort: Aus Neugier. Und aus Liebe zur Sprache. Ich habe früh erlebt, was passiert, wenn Menschen schreiben, die glauben, sie könnten es nicht. Dann habe ich gesehen, wie Worte Türen öffnen — zu Erinnerungen, zu Mut, zu Humor, zu Schmerz, zu sich selbst. Poesiepädagogik ist für mich kein Unterricht, sondern ein Raum, in dem Menschen sich selbst überraschen dürfen.
Frage: Was hat die Poesiepädagogik in deinem eigenen Leben verändert?
Antwort: Alles. Ich habe meinen Mann dort kennengelernt — in einem Kurs, in dem es um Sprache ging, aber eigentlich um Begegnung. Hätte ich diesen Weg nicht eingeschlagen, wäre mein Leben ein anderes. Ein gutes vielleicht — aber nicht dieses.
Frage: Dein Leitsatz lautet: „Inspiration ist, wenn du mich inspirierst und ich dich. Auch Geist ist eine erogene Zone.“ Was bedeutet das für dich?
Antwort: Dass Schreiben etwas Sinnliches ist. Dass Worte berühren können. Dass ein guter Satz manchmal mehr auslöst als jede Berührung. Und dass Kreativität etwas zutiefst Körperliches hat — ein Puls, ein Rhythmus, ein Kribbeln. Für mich heißt es: Schreiben ist nicht nur Kopf. Schreiben ist Gefühl, Haut, Atem, Herz.
Frage: Und wie hängt das mit deinen Theaterstücken zusammen?
Antwort: Theater ist für mich die lebendigste Form von Sprache. Ich schreibe Stücke, weil ich weiß, wie es sich anfühlt, auf der Bühne zu stehen — zu atmen, zu warten, zu hören, wie ein Publikum reagiert. Meine Stücke entstehen aus dieser Dreifachperspektive: Schauspielerin, Zuschauerin, Autorin. Ich schreibe nicht nur für den Kopf, sondern für den Körper: für Stimmen, für Pausen, für Blicke, für das, was zwischen zwei Menschen passiert, wenn sie sich gegenüberstehen.
Frage: Was bedeuten dir Lesungen und die Begegnung mit deinen Leser*innen?
Antwort: Sehr viel. Schreiben ist ein stiller Vorgang. Bei Lesungen sehe ich dann plötzlich echte Menschen, die lachen, nicken, schlucken, nachdenken. Das ist jedes Mal ein kleines Wunder. Und manchmal erzählen mir Leserinnen, welche Szene sie berührt hat oder welchen Satz sie mitgenommen haben. Das sind Momente, die mich lange tragen.
Frage: Und wie wichtig sind Rezensionen für dich?
Antwort: Rezensionen sind wie Wetterberichte: sonnig, manchmal stürmisch — aber ein Zeichen dafür, dass jemand sich wirklich mit dem Text beschäftigt hat. Ich freue mich über jede ehrliche Rückmeldung. Nicht, weil ich Bestätigung brauche, sondern weil ich wissen will, was ankommt, was bleibt, was irritiert. Und ja, ich lese sie.
Frage: Hast du Idole oder Vorbilder?
Antwort: Ja — und sie stehen in meinem Schreibzimmer. Drei Bilder, drei Geister, die mich begleiten: Erich Kästner, Astrid Lindgren und Agatha Christie. Kästner erinnert mich daran, dass Humor eine Waffe sein kann, wenn man ihn klug benutzt. Lindgren zeigt mir, wie viel Freiheit in einem einzigen Satz stecken kann. Und Christie flüstert mir zu, dass Spannung nicht laut sein muss, sondern präzise. Sie sind keine Sockelheiligen, eher stille Verbündete. Autoren, die mir gezeigt haben, dass Sprache mutig, zärtlich, verspielt und messerscharf sein darf — und im allerbesten Fall alles gleichzeitig.
Frage: Hast du Lieblingswörter?
Antwort: Oh ja — und sie sind ein bisschen aus der Zeit gefallen, aber deshalb liebe ich sie: Kokolores, Firlefanz, Mumpitz, blümerant. Wörter, die klingen, bevor sie etwas bedeuten. Wörter, die schmunzeln. Wörter, die sich weigern, erwachsen zu sein. Sie erinnern mich daran, dass Sprache Spaß machen darf. Dass ein Text tanzen kann, dass Humor die eleganteste Form der Wahrheit ist. Manchmal verliebe ich mich in ein Wort, weil es sich gut anfühlt, wenn man es laut sagt. Und manchmal, weil es genau das trifft, was ich nicht erklären kann. Lieblingswörter sind für mich kleine Rettungsboote — sie tragen mich durch Sätze, die sonst zu schwer wären.
Frage: Was ist für dich das Schönste am Schreiben?
Antwort: Dass ich mich vollständig in einem fremden Leben verlieren kann. Wie beim Theaterspielen auch. Ich darf alles sein und alles ausprobieren - wütend, laut, herrisch, böse, ganz sanft. Ich kann Dinge tun, die ich im realen Leben nicht tun würde. Mich ausprobieren. Es ist absolute Freiheit. Und deshalb ist Schreiben auch immer ein Statement und nicht selten auch politisches Werkzeug.
Frage: Erzähl uns von deinem nächsten Projekt bitte.
Antwort: Es wird ein neuer Roman sein mit dem Arbeitstitel: „Kein Name an der Tür“. Es ist eine Geschichte über eine Frau, die aus einer toxischen Beziehung flieht — mitten im ersten Lockdown, als die Welt stillsteht und gleichzeitig alles lauter wird. Sie landet in einem Berliner Mietshaus, das auf den ersten Blick anonym wirkt. Menschen hinter Wänden, die man nur vom Husten oder vom Klavierspiel kennt. Genau dort entsteht etwas, womit sie nicht gerechnet hat: Gemeinschaft. Wärme. Ein Netz aus kleinen Gesten, das sie auffängt, während draußen die Straßen leer sind. Mich interessiert, was diese Zeit mit uns gemacht hat — mit Beziehungen, überschrittenen Grenzen, unserer Verletzlichkeit. Es gibt noch erstaunlich wenige Erzählungen darüber. Vielleicht, weil wir alle noch zu nah dran sind. Aber ich glaube, manche Geschichten müssen erzählt werden, bevor sie verblassen. Und diese gehört dazu.

Kurz und knapp
- gebürtig in Lübeck, Nordlicht im Berliner Exil. Kaffeesüchtig. Liebt Bücher, natürlich.
- Ich liebe das Theater. Auch auf der Bühne, zur Zeit aktiv im Amateurtheater "Die Wortgießer e.V." in Schöneiche bei Berlin
- Man kann man mich mindestens 1-2mal im Monat im Publikum eines Berliner Theaters finden.
- Liebt ihre Familie, bestehend aus dem besten Ehemann und den erwachsenen Söhnen.
- Lebt in Berlin, unweit des Müggelsees.
- Lieblingsinsel: Usedom
- Hat noch diverse andere Hobbies wie zum Beispiel Scrapbooking, Fotografieren und das Backen von Torten
Ausbildung
- 1996 - 1997 Ausbildung zur Poesiepädagogin am Institut für kreatives Schreiben e.V.
- 2024 Thema Dialoge, Überarbeitung, Antagonisten
- 2024 Kurzprosa, Drama, Figuren, Bildhafte Sprache
- 2024 Charakterentwicklung für Roman und Film
- 2024 Plotten wie ein Profi - Romane schreiben
- 2025 Schneeflocken-Methode
- 2024 - 2025 Fernstudium Prosaschreiben bei "Textmanufaktur"

